Milcotec hat eine strategische Entscheidung getroffen, die volle Kontrolle über seine digitale Zukunft zu übernehmen, indem das Unternehmen eine eigene IT-Plattform intern entwickelt. Für den Anbieter von Melktechnik ist digitale Entwicklung längst keine unterstützende Funktion mehr – sie ist ein zentraler Bestandteil des Geschäfts geworden.
Hinter dieser Entscheidung steht ein klares Ziel: eine Plattform zu schaffen, die die tatsächlichen Arbeitsprozesse der Kunden widerspiegelt und gleichzeitig langfristige Flexibilität, Skalierbarkeit und Datenhoheit gewährleistet.
Vom Lieferanten zum digitalen Lösungsanbieter
Am Hauptsitz von Milcotec in Varnæs bei Aabenraa ist Digitalisierung zu einer praktischen Disziplin geworden. Einer der Büroräume wurde kürzlich in ein Fotostudio umgebaut, in dem tausende Produkte – vor allem Ersatzteile für Melkroboter und Melksysteme – einzeln fotografiert werden.
Diese Bilder bilden zusammen mit Produktdaten, Anleitungen und technischem Content das Fundament einer neuen digitalen Plattform, die Kunden zunächst als E-Commerce-Lösung erleben werden. Die langfristige Vision geht jedoch weit über den reinen Online-Verkauf hinaus.
Laut Geschäftsführer Gerth Petersen ist diese Entscheidung das Ergebnis eines langen Prozesses.
„Wir wussten schon seit Jahren, wohin wir uns digital entwickeln wollen. Der Unterschied ist, dass wir uns jetzt entschieden haben, es richtig umzusetzen“, erklärt er.
Eigene Plattform bedeutet Kontrolle über die Zukunft
Im Gegensatz zu früheren digitalen Initiativen wird Milcotec die neue Plattform vollständig selbst besitzen und steuern. Entwicklung, Konfiguration und Inhalte werden intern umgesetzt, sodass sich die digitalen Werkzeuge direkt an den realen Geschäftsanforderungen orientieren.
„Das ist eine große Investition – sowohl finanziell als auch organisatorisch“, sagt Gerth Petersen.
„Aber die eigene Plattform gibt uns Freiheit. Wir sind nicht mehr von externen Systemen abhängig, die unsere Entwicklung einschränken.“
Diese Unabhängigkeit ist entscheidend in einem Markt, in dem sich Kundenanforderungen, Technologien und Datenanforderungen schnell verändern.
Entwickelt rund um echtes Kundenverhalten
Das digitale Projekt wird von Head of Marketing und Digitalisierung Dmitrijs Dementjevs gemeinsam mit CFO Kenny Jensen geleitet. Von Anfang an stand dabei der Kunde im Mittelpunkt.
„Anstatt zu raten, wie Kunden einen Webshop nutzen wollen, haben wir sie direkt gefragt“, sagt Dmitrijs Dementjevs.
„Wir haben alles diskutiert – von der Navigation bis zur Platzierung von Buttons – um sicherzustellen, dass sich die Plattform vertraut und intuitiv anfühlt.“
Gerade in einer traditionell geprägten Branche war das besonders wichtig, da viele Kunden weiterhin telefonisch bestellen und persönlichen Kontakt schätzen.
„Das Ziel ist nicht, den persönlichen Kontakt zu ersetzen, sondern ihn digital zu unterstützen“, erklärt er.
„Die Kunden sollen sich sicher und gut betreut fühlen – nicht von der Technik abgeschreckt werden.“
Von Transaktionen zu datenbasierten Erkenntnissen
Ein weiterer zentraler Treiber für die Eigenentwicklung ist das Thema Daten.
„Mit unserer eigenen Plattform können wir endlich gezielt mit Daten, Business Intelligence und perspektivisch auch mit Technologien wie künstlicher Intelligenz arbeiten“, sagt Dmitrijs Dementjevs.
Das neue System ermöglicht es, Kundenverhalten zu analysieren, das Produktsortiment zu optimieren und gezieltere Empfehlungen zu geben – etwas, das mit früheren Drittanbieter-Lösungen nur eingeschränkt möglich war.
Der entscheidende Impuls zur Umsetzung kam durch den Austausch mit Erhvervshus Sydjylland, der half, Ideen in konkrete Maßnahmen zu überführen.
„Sie haben uns dazu gebracht, vom Planen ins Handeln zu kommen“, sagt Gerth Petersen.
„Das hat einen echten Unterschied gemacht.“
Digitale Grundlage für Wachstum und Export
Neben der Optimierung der täglichen Abläufe ist die Plattform darauf ausgelegt, die internationalen Ambitionen von Milcotec zu unterstützen. Händler in Märkten wie Deutschland und den Niederlanden können den Webshop direkt in ihre eigenen Systeme integrieren.
Gleichzeitig werden mehr Kunden digital geführt, wodurch der Bedarf an manueller Unterstützung reduziert und die Zugänglichkeit verbessert wird.
„Es geht hier nicht nur um Effizienz“, sagt Dmitrijs Dementjevs.
„Es geht darum, eine skalierbare Grundlage für weiteres Wachstum zu schaffen.“
Investitionen vor der Nachfrage
Die Entwicklung der Plattform ist ressourcenintensiv. Neben der technischen Umsetzung produziert Milcotec umfangreichen Content: Produktbeschreibungen, Installationsanleitungen und Schulungsvideos, die Kunden dabei unterstützen, ihre Anlagen korrekt zu nutzen.
Die technische Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit einem externen Softwarepartner, während Strategie, Struktur und Inhalte bewusst intern verankert bleiben.
Für Gerth Petersen ist diese Investition alternativlos.
„Wenn wir in fünf Jahren noch relevant sein wollen, können wir nicht warten, bis alle anderen den Schritt bereits gemacht haben“, sagt er.
„Wir müssen einen Schritt voraus sein.“
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